Die ARD gilt schon länger als unbequem, leistet sich gerade in seinen dritten Programmen viele kritische Sendungen. Das ZDF hingegen hatte immer einen… ich will es mal so ausdrücken: konformeren Ruf. Eher das Programm der ruhigeren Gangart, wenig mutig, immer ein bisschen miefig-hausbacken und irgendwie brav-konservativ.
Irgenwann kam der Nikolaus. Nikolaus Brender, eben kein Speichellecker, sondern unbequem und kritisch. Plötzlich, so mein Einddruck, machte das Zweite einen Satz nach vorn und war eine Alternative, auch bei den Nachrichten.
Dieser da aus Hessen, der Ministerpräsident Roland Koch, der sich ja in der Vergangenheit immer mal etwas zu weit aus dem Fenster gelehnt und wenig überlegt geäussert hat, dieser Herr mochte den Nikolaus nicht. (Dafür bleibt in diesem Jahr hoffentlich auch sein Stiefelchen leer. Das des Ministerpräsidenten, nicht das des Nikolaus’.) Sinkende Quoten seien es gewesen, die aus Sicht des Hessen, der sich glücklicherweise gegen ein Amt in Berlin entschieden hat, eine Verlängerung des Vertrages mit Brender unmöglichen machten.
Und er hat sich im mit Politikern (vor allem Konservativen) überfrachteten Verwaltungsrat des ZDF durchgesetzt: Des Chefredakteurs Vertrag wird nicht verlängert. (Schade, dass das umgekehrt nicht auch geht…)
Was für ein Anschlag auf die Freiheit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, für den wir alle schließlich via GEZ Gebühren berappen. Bleibt zu hoffen, dass das letzte Wortt noch nicht gesprochen ist: Die Grünen erwägen, eine Normenkontrollklage beim Bundesverfassungsgericht einzureichen. Meinen Segen haben sie. Der Staat muss kritische Journalisten auch mal aushalten können. Und um es föderalistisch korrekt auszudrücken: Auch ein Ministerpräsident eines Bundeslandes muss das. Aber Roland ist offenbar in dieser Hinsicht nicht belastbar. Dann doch lieber mit Erfolg an anderen Stühlen sägen…
Der Torhüter und die schwarze Lady — „Wir dachten, wir schaffen alles“
November 11, 2009
Robert Enke ist tot. Erst dachte ich, ich hätte mich verlesen. Wie kann ein 32-jähriger Weltklasse-Torhüter, der nach seiner bakteriellen Darminfektion genesen in den 7,32 Meter breiten und 2,44 Meter hohen Kasten von Hannover 96 zurückgekehrt ist, plötzlich tot sein? Das Entsetzen über seinen Freitod ist groß.
Das Geschmackloseste, was ich zu diesem Thema heute gelesen habe, ist der Kommentar 1463 im Forum dieses Artikels: „Sein letztes Autogramm steht nun auf dem Regionalexpress 4427 von Bremen nach Hannover.“
Eine gewisse Größe liegt in der Reaktion des Deutschen Fußball-Bundes. Auch die Absage des Länderspiels gegen Chile empfinde ich, wie es auch Theo Zwanziger gesagt hat, als „alternativlos“.
Robert Enke war ein Ausnahmesportler, ein hervorragender Torwart und auch ein feiner Mensch, der sich sozial engagiert hat. Vieles jedoch wird zur absoluten Nebensache, wenn man bedenkt, dass es offenbar Selbstmord aufgrund einer Depression war.
Jemand, den ich sehr schätze, beschäftigt sich als Betroffener in seinem Blog ausgiebig mit demThema Deperession. Ulf nennt sie die „Schwarze Lady“. Depression ist irgendwie so ein abgenutzter Begriff. Er wird zuweilen im falschen Kontext oder verharmlosend verwendet. Dabei ist die Depression wohl das Furchtbarste, was einem im Leben begegnen kann. Wer sich — wie ich — professionell mit dieser existenziell bedrohlichen Erkrankung auseinandersetzen muss, der kann sich nur glücklich schätzen, nicht unter ihr zu leiden.
Aber dass ich heute persönlich nichts damit zu tun habe, ist keine wirkliche Beruhigung für die Zukunft. Gestern lief die Waschmaschine noch tadellos, heute ist sie kaputt. Gestern noch war ich gesund, heute habe ich die Schweinegrippe. Gestern noch war ich fröhlich und lebensbejahend, aber morgen schon könnte ich depressiv sein. Bei wem sich im Hirn ein Schalter umlegt, ist nicht vorhersagbar. Allerdings trifft es oft die Sensiblen, die Einfühlsamen. Jene, für die Altriusmus und Empathie keine Fremworte sind. Es ist keine Frage der Intelligenz, der Lebensumstände oder des Geldes.
Robert Enke wollte — wie so viele — nicht darüber reden. Niemand sollte es wissen. Die Angst vor sozialer Ausgrenzung, vor dem Verlust der Arbeit und der Freunde war zu groß. Ein unglaublicher Leidendruck, der so nicht zwnagsläufig nachvollziehbar ist. Es gibt gute Medikamente, die eine geeignete Einstellung ermöglichen. Trotzdem kann es akute Schübe geben, die nicht unbedingt ersichtlich sind, wenn die mühsam aufgebaute Fassade hält. Die Umstehenden trifft eine Freitodentscheidung wie der berühmte Knüppel auf den Kopf. (Einer meiner besten Freunde in der Abizeit, zufällig auch ein Ulf, suizidierte sich in der 12. Klasse, indem er sich in einem geliehenen 5er-BMW ungebremst vor einen Baum setzte. Damals zermarterte ich mir lange das Hirn, ob ich das hätte kommen sehen müssen. Ob ich Zeichen nicht erkannt hatte.)
Obwohl den an Depression erkrankten Menschen die Umwelt meist alles andere als egal ist, sind sie zuweilen der Meinung, die Welt sei ohne sie besser dran. Und gerade in solchen Situationen kommt es zu scheinbar rücksichtslosen Verhaltensweisen: Hat Robert Enke bei seiner Entscheidung auch an den Lokführer gedacht? Möglicherweise wird der dieses Trauma nie verarbeiten können. Ihm gilt mein Mitgefühl, natürlich auch der Familie von Robert. Unabhängig von seinem Status als Spitzensportler und in der Öffentlichkeit stehender Person: Um jeden, der mit seiner Krankheit keine andere Wahl als den Suizid zu haben glaubt, darf getrauert werden. Sei es nun Robert Enke oder Erwin aus Castrop-Rauxel.
Depression ist eine Geißel. Robert Enkes Frau hat auf der Pressekonferenz gesagt: „Wir dachten, wir schaffen alles.“ Leider war dem nicht so.
Nicht jeder schafft, was Ulf geschafft hat: „Ich will nicht mehr nur nicht sterben, ich will leben!“ Aber es wäre jedem zu wünschen, eine Depression besiegen zu können. Ein Leben ohne die „Schwarze Lady“ führen zu dürfen.
Na bitte, et jeht doch: Der BGH hat mehr Humor als das OLG HH
Oktober 1, 2009
Nun sind Gerichte nicht wirklich der Ort der ersten Wahl, wenn es um Humor geht. Wenn die gute alte „taz“ der noch älteren, dafür aber weniger guten … ach, lassen wir das… wenn also die, welche in meinen jungen Jahren mit links-ökologisch wertvoller Wohngemeinschaft die regelmäßige Hauspostille war, jene, aus der mein ehemaliger Erziehungsberechtigter seine WeltBILDung herausliest, in einem Spot ein gaaaanz klitzekleines Bisschen auf den Arm nimmt, dann kann das schon mal ein Fall für unsere ohnehin überlasteten Horte der Judikative sein. (Bevor sich jemand beschwert, der sich mit so etwas auskennt: Mir ist wohl helle, dass Gerichte nicht ausschließlich der Judikative, sondern auch der Exekutive zuzurechnen sind.)
Das hier in meinem kleinen Dorf ansässige OLG wollte den Spot verbieten, aber der BGH hat sich heute ein anderes Urteil geBILDet. Als hätten unser Staatsgefüge und der ganze Planet im Allgemeinen keine größeren Probleme, schicke ich trotzdem einen erleichterten Stoßseufzer in die Runde und präsentiere hier noch mal den Spot:
Zum Leiterwesen… Weiterlesen:
Gegen den Ball getreten: Hamburg
August 31, 2009
Ich mache keinen Hehl daraus: Mein Herz schlägt für Hallenhalma den FC St. Pauli. Schon von jeher sind es die Kiezkicker, die Freibeuter der Liga, die Weltpokalsieger-Besieger, die in meinen feuchten Fußball-Träumen herumgeistern. Es riecht nach ehrlichem Schweiß, nach Hafenarbeitern und Möwenkot, nach Astra ohnehin.
Und nun mache man sich bitte bereit für einen fußballerischen Paukenschlag. (In unserer Nachbarschaft wird oft genug ein — bislang ohne dauerhafte Verletzungen geführter — Krieg um das Glaubensbekenntnis im Hamburger Fußball geführt. Ich weiß, wovon ich rede, wenn ich die Unversöhnlichkeit der Positionen und die harten Bandagen bedenke.)
Ein Hamburger Herz (namentlich das meinige) kann durchaus groß genug sein, um noch eine kleine Kammer für einen zweiten Club zur Verfügung zu stellen: Den Oberligisten SC Victoria Hamburg Hamburger Sport-Verein. (Wenn Pauli und der HSV gegeneinander antreten müssen, wird diese Kammer jedoch vorübergehend geschlossen!)
Wir betrachten nun zwei Screenshots mit den Tabellen der 1. und 2. Bundesliga von heute.

[Quelle]
Da jubiliert es doch in mir! Pauli auf 1, der HSV ebenso.
Mache mir zur Feier des Tages noch eine Dose Orangenlimonade auf, die wird weggezwitschert wie nix, ich lasse es da richtig krachen, und dann bette ich mein vom Wochenenddienst beduseltes Haupt auf mein Schnuffelkissen, der Rest des Körpers sucht sich einen Platz zwischen dem geliebten Frauchen und den nicht minder geliebten Söhnen (die sich schon wieder ins Ehebett geschlichen haben).
Pauli auf Platz 1, der HSV auch. Sachen gibt’s…
Die Wahlen: Der Bock soll zum Gärtner werden…
August 28, 2009
„Bundesmerkel“ (so nennt mein siebenjähriger Sohn unsere Republik-Oberhirtin) will nun doch mit klarer Koalitionsaussage zugunsten der FDP in den Wahlsonntag gehen. Die kalte Progression will sie unter anderem senken und setzt natürlich wieder auf Wachstum. Dagegen ist ja soweit nichts einzuwenden — ohne Wachstum sinken auf lange Sicht die Arbeitsplätze.
Aber mit der FDP? Wir machen die Hüter des Neoliberalismus zu Funktionsträgern, die den Folgen eben dieser Politik entgegentreten sollen. Den Bock zum Gärtner machen? Nun gut. Die SPD kann froh sein, wenn sie über die 5-Prozent-Hürde kommt, und die Grünen sind im Prinzip unwählbar geworden. (Dazu auch dieses.)
Oder nicht zur Wahl gehen? Schlechte Idee, das. Ich gebe zu bedenken, dass die Parteien des rechten Spektrums ihre Wähler mobilisieren können. Wenn dann keiner außer denen zur Wahl geht, haben die schnell die prozentuale Hürde übersprungen. Und dann ist das Geschrei groß.
Warum nicht die Linken? Hört sich doch eigentlich ganz gut an, was die so in die Welt rufen. (Ich wurde bei der letzten Wahl in Hamburg vom Wahl-O-Mat total überrascht: Die größte Übereinstimmung bei meinen Forderungen gab es mit den Linken…) Trotzdem habe ich sie nicht gewählt, denn: Obschon der Politik ein paar neue Ansätze und unkonventionelle Ideen gut tun würden, bringt die Partei neben alten Zöpfen, die sich jenseits der ehemaligen Trennlinie schon nicht bewährt haben, vor allem nicht finanzierbare Vorstellungen mit.
Bleibt die Piratenpartei. Aber man stelle sich vor, die würden die Wahl gewinnen — der Name schreckt, oder? Aber bei den Grünen hat die Allgemmeinheit vor vielen Jahren ähnlich gedacht, und heute gehören sie längst zum Establishment.
[UPDATE 30.8.09: Habe vorhin beim Herumstromern im Netz diese Seite entdeckt. Ist keine wirkliche Hilfe bei der Entscheidungsfindung, aber Volkes Stimme, oft auf Stammtischniveau, offenbart sich hier recht deutlich.]
Jugendschutz ad absurdum — Deutschland ist China?
August 25, 2009
Nee, also, wissen Sie, diese unsere Bundesregierung, allen voran Ursula v.d.L., die schießt ja dann und wann gehörig über’s Ziel hinaus.
Hehre Ziele, nämlich der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor schädlichen Inhalten, müssen als Feigenblatt herhalten, um Menschen in der Bundesrepublik einen insuffizienten Filter nach dem anderen vor die erwachsene Nase zu setzen.
Die funktionieren nicht mal richtig, in der Medizin würde man von falsch positiven Ergebnissen sprechen. (Dazu muss man wissen, dass „positiv“ negativ für den Patienten bedeutet — und vice versa.)
Auch meine favorisierte Fotoplattform Flickr ist betroffen. Da erhält man Gruppeneinadungen, denen man folgt — und kann das Gruppenbecken (group pool) nicht betreten. Stellen Sie sich als Allegorie ruhig einen Freibadbesuch vor: Sie zahlen an der Kasse, betreten das Schwimmbad und treffen einen Freund. „Komm doch mit ins Wasser, das neue Schwimmbecken ist klasse!“, werden Sie aufgefordert. Sie landen vor einem Sichtschutz, werden als Deutscher identifiziert — und dürfen nicht mit rein. Weil Ihr Freund aber Kasache ist oder Portugiese oder meinethalben Franzose, geht er munter hinein und hat seinen Spaß.
Sie fänden das nicht lustig? Ich auch nicht. Ich habe bei Flickr einen so genannten Pro Account — der ist kostenpflichtig, bietet aber für ambitionierte Fotografen so einiges. Aber bei jeder sechsten, siebten Gruppe lese ich:
„This group is not available for you.“
Na, schönen Schrank auch, liebes Flickr. Ohne Yahoo ID kommt man nicht zu Flickr, angeblich können die aber das Alter nicht überprüfen. Der Dumme ist der Nutzer. Ich könnte Flickr in den A**** treten, und der Bundesregierung gleich mit! So weit zum Thema „Demokratie“. (Deutschland hat aus seinen Fehlern nicht genug gelernt, glaube ich. Und der Zerberus im fahrbaren Untersatz tut ein Übriges, um da ganz gezielt mit an Bürgerrechten rumzumachen und sie nach und nach zu untergraben.)
Vertiefen können Sie das mit ein paar Links:
Diskussion im englischsprachigen Hilfe-Forum
Die „Keine Zensur“ Flickr-Gruppe
hier mal die Sichtweise einer betroffenen Netzseite, deren deutsche Abonnenten ausgeschlossen werden (weil der Provider auch Nazi-Material auf seinen Servern hat, mit denen die Seite hier aber auch garnichts zu tun hat und haben will)
Protest bei Flickr (mit zahlreichen externen Links)
Ein deutscher Gruppenadministrator & seine Probleme
„Irgendwas ist ja immer“ (schon älter, aber mit Hinweisen auf die angebliche Rechtslage, die Flickr zu den Maßnahmen zwingt)
Ich könnte das hier nahezu unenndlich ausweiten. Der Protest ist ziemlich ausgeprägt. Abschließend noch ein Bild (mit aktivem Link zu Flickr):

Ziterfähig #2: As soon as you’re born you start dying…
August 24, 2009
Now, I just want to play on my panpipes,
I just want to drink me some wine,
As soon as you’re born, you start dying,
So you might as well have a good time.
The Cake — Sheep Go To Heaven [Album: Prolonging the Magic, Capricorne Records, 1998]
Zitierfähig #1: Wir bissen uns die Lippen wund
August 24, 2009
Die Lieb, die Lieb hat alle Stund
Neu wunderlich Gelüsten;
Wir bissen uns die Lippen wund,
Da wir uns heute küßten.
Eduard Mörike [aus: Nimmersatte Liebe]
Neues von den Pluto-Schwestern: Wegzehrung
Mai 15, 2009
Heute belagerten die Plutos wieder unser Heim. Sie können raten, was sie taten — sie aßen, nicht in Maßen, sondern viel, wie’s ihrem Naturell entspricht. Ob’s uns gefiel, oder auch nicht. Ich nahm Zuflucht zu einem gepflegten Einkauf und zur Abholung des Kleinen vom Kindergeburtstag. Unglücklicherweise waren die Gören noch da, als ich zurückkehrte. Die Erlösung: Der Erziehungsberechtigte klopfte an der Tür und forderte die Rückkehr der Kinder ein. Bevor ich drei Kreuze machen konnte, kam eine Frage, welche die Tür zu einer neuen Dimension der Gier aufstieß: „Können wir noch was zu naschen mitnehmen?“ (Ich möchte in diesem Zusammenhang noch einmal darauf hinweisen, dass die Haustür der Plutos etwa zwei einhalb Meter Luftlinie entfernt ist. Da ist Wegzehrung eine Conditio sine qua non. Man könnte verhungern.)
Heiraten Sie eine Schildkröte!
Mai 13, 2009
Oder eine Ente. Meinethalben auch eine Katze. Ach, heiraten Sie doch, was Sie wollen.
Klingt ziemlich doof, oder? So argumentiert man aber im konservativen Lager in den USA gegen die schwule Ehe:
„[...] you would let everybody get married who want to get married. You want to marry a turtle, you can.“
Die polygame Ehe könnte man dann auch gleich mit erlauben, sagt er:
„[...] if you OK gay marriage, then you have to do plural marriage [...]„
Beides ist so logisch,…
…dass ich kotzen könnte.
Früher hat man Schwule und Lesben verfolgt, Homosexualität war die „namenlose Liebe“, es gab Paragraphen gegen die angeblich strafbare Handlung und sogar eine entsprechende psychiatrische Diagnose. Vieles hat man gestrichen zwischenzeitlich, es gibt zahlreiche Staaten, die eine gleichgeschlechtliche Ehe erlauben, aber es gibt noch immer Staaten, vornehmlich im nahen und mittleren Osten sowie in Afrika, die noch immer Todesstrafe für Homosexualität kennen. (Quelle.) Ach, bedarf es einer gesonderten Erwähnung, dass auch der Vatikan und die katholische Kirche eine gespaltene Haltung zur Homosexualität haben? Ganz abgesehen von der offenkundigen Homophobie im (Profi-)Fußball.
Es gibt viele Homosexuelle, die im Fokus der Öffentlichkeit stehen oder standen: Alfred Biolek, Oscar Wilde, Ole von Beust, Elton John, Freddy Mercury, Rock Hudson, Hape Kerkeling, Guido Westerwelle, Klaus Wowereit, Sir Francis Bacon, Ludwig Wittgenstein, Martina Navratilova, Tracy Chapman, Robespierre, Platon… vermutlich könnte ich morgen noch schreiben, wollte ich sie alle aufzählen. Sind oder waren die alle schlechtere Menschen?
Selbst unter unseren nicht-humanoiden Mitgeschöpfen gibt es Schwule und Lesben, zahlreiche homosexuelle Ereignisse sind dokumentiert.
Und nun kommt Bill O’Reilly daher und stellt in seiner Show „The O’Reilly Factor“ auf Fox die Behauptung auf, die Legalisierung der Homo-Ehe führe zu Ehen zwischen verschiedenen Spezies. Und zur Vielehe.
Versuchen wir mal, die Argumentation O’Reillys nachzuvollziehen. Ehe kann man (im westlichen Kulturkreis) als rechtlich legitimierte Lebensverbindung zweier Menschen definieren. Also zweier Menschen, die — abhängig vom politischen Willen — gleichen oder unterschiedllichen Geschlechts sein können. Der Ansatz, dass daran zwingend ein Mann und eine Frau beteiligt sein müssen, also die Verschiedengeschlechtlichkeit, ist in vielen, aber längst nicht allen Ländern die Grundvoraussetzung. Mehr Partner sind nicht vorgesehen, das sagt auch die republikanische Strategin Hoover in dem Gespräch. Das würde eine Gesetzesänderung nötig machen.
Die Befürchtung, die gleichgeschlechtliche Ehe würde wirklich abstrusen Ehekonstrukten Tür und Tor öffnen, ruft bei mir ein Kopfschütteln hervor. Alleine schon deshalb, weil der Vergleich ganz mächtig hinkt. Ich habe nichts gegen die Tiere, die mit uns den Planeten teilen, ganz im Gegenteil, und mir ist auch bewusst, dass ein Tier für manche Menschen ein Partner- oder Kindersatz ist. Emotionen kümmern sich meist einen Dreck um gesellschaftliche Konventionen. (Wie sie gelebt werden, steht auf einem anderen Blatt.) An Treue sind Tiere ohnehin dem Menschen weit überlegen. Aber kein gesund denkender Mensch käme auf die Idee, ein Tier ehelichen zu wollen. Dass man darauf kommt, von einer gleichgeschlechtlichen Ehe auf jene mit Tieren zu schließen, zeigt mir, wie tief die Verachtung für homosexuelle Mitmenschen sein muss. Als seien diese Menschen 2. Klasse.
Das Recht, seine Liebe nach außen hin symbolisch zu zeigen, sollte allen Menschen ermöglicht werden. Homosexuelle haben die gleichen Bedürfnisse nach Geborgenheit und Nähe. Der Unterschied liegt einzig und allein darin, dass der Partner nicht ein anderes Geschlecht hat. Bei aller Liebe zu Tieren (ich habe selbst welche): Dieses Argument gegen die Homo-Ehe zieht überhaupt nicht! Aber im erzkonservativen Lager der Vereinigten Staaten von Amerika muss man wohl richtig tief in der Kiste mit hanebüchenen Thesen wühlen, um nicht ganz ohne Argumente in die Debatten zu gehen. Auch wenn man sich damit selbst disqualifiziert.
![3*PM1-1759 [#103] 3*PM1-1759 [#103]](http://farm3.static.flickr.com/2735/4133723701_124b377ca8_t.jpg)
![*Golden herbage * [#102] *Golden herbage * [#102]](http://farm3.static.flickr.com/2520/4098161046_93c6f48295_t.jpg)
![Hamburg en détail, part I [#101] Hamburg en détail, part I [#101]](http://farm3.static.flickr.com/2485/4080102878_17f27b4c78_t.jpg)
![Autumn is beautiful [#100] Autumn is beautiful [#100]](http://farm3.static.flickr.com/2666/4071351896_002ef3f3c9_t.jpg)
![Grapes of Light [#99] Grapes of Light [#99]](http://farm4.static.flickr.com/3477/4061884264_a9bc554b07_t.jpg)
![KFO (Known Flying Object) [#98] KFO (Known Flying Object) [#98]](http://farm3.static.flickr.com/2628/4046243316_91f2319c32_t.jpg)